Historie

CHORGEMEINSCHAFT 1844 DORNHEIM

Die Vereinsgeschichte

Johann Heinrich Feldmann II. 

 

Vorwort

Dieser historische Rückblick stellt einen Querschnitt durch die sehr wechselvollen Geschichten der Dornheimer Gesangvereine dar.

Er baut auf Überlieferungen und Nachforschungen des Heimatforschers und Ehrenbürgers der Gemeinde Dornheim Johann Heinrich Feldmann II. Er stützt sich ferner auf mündliche Überlieferungen sowie auf Presseberichte und Jahresprotokolle.

 

Die Gründerzeit 

Das 19. Jahrhundert kann man als Gründungsjahrhundert der Gesangvereine bzw. der Vereine bezeichnen. Carl Friedrich Zelter, ein Freund von Johann Wolfgang von Goethe,gilt als Vater der Laienchorbewegung, wie sie sich bis heute entwickelte.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, die wir heute als Biedermeierzeit bezeichnen, liegt die Wiege des deutschen Chorgesanges, so wie wir ihn heute noch kennen und pflegen.

Die Menschen dieser Zeit erfuhren etwas von der großen Freiheitsbewegung und dem Selbstwert des Menschen.
Dies zeichnete sich deutlich in den Jahren 1830/31 ab.Unruhen erzwingen in vielen deutschen Ländern, z.B.  Hessen-Kassel, Sachsen, Braunschweig und anderen deutschen Staaten, Verfassungen.

Mit dem politischen Interesse des Volkes wächst der Druck der öffentlichen Meinung.
Die Dichter des „Jungen Deutschland“, Börne, Heinrich Heine, Gutzkow u.a., verkünden im neuen Stil des politischen Journalismus (Feuilletonismus) ihre demokratischen Ideale und Zielsetzungen.

Der revolutionäre, intellektuelle Geist äußerte sich in den Kundgebungen auf dem „Hambacher Fest“ im Jahre 1832.. Die Farben der deutschen Trikolore Schwarz – Rot – Gold werden zum Frei- und Einheitssymbol des Bürgertums.

Die deutsche Märzrevolution von 1848 zeigt die unterschiedlichsten Standpunkte der Bevölkerungsschichten auf.
Während die „Radikalen“ , Kleinbürger und Bauern, eine demokratische Republik fordern, begnügt sich das liberale Besitz- und  Bildungsbürgertum mit gemäßigten Petitionen. Gemeinsames Ziel aber ist, die „nationale Einheit“ herzustellen.

Diesem Wunsch wird nach den Frühjahrsunruhen, die in allen bestehenden Staaten Deutschlands ausbrachen, am 18. Mai 1948 mit der Eröffnung der verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche entsprochen.

Die Bürger in den ländlichen Gemeinden wurden selbstbewusster. Das unbedingte Gefühl vom Nutzen einer organisierten, sinnvollen Freizeitbeschäftigung, die dem harten erschwerlichen Arbeitstag noch einen anderen Sinn als nur den des „Schaffens“ geben sollte, erwachte. Aber auch eine tief verwurzelte Liebe zur deutschen Geschichte und Tradition führte die Menschen dieser Tage in den Vereinen zusammen.

 

 

Die Gründungsvereine

 

Mit Sicherheit kann man annehmen, dass in Dornheim schon vor dem Jahr 1844 ein loser Verband von Sängern bestand, in dem chorisch gesungen wurde.

 


 

 

Die Gründer des Gesangvereins „Germania“ von 1863  Oben von links nach rechts: Adam Schmenger 5., Christoph Schneiker, Ph.Jakob Trinkaus  Heinrich Maus III., unten von links nach rechts: Philipp Kirchhöfer II., Jakob Veith,  Wilhelm Schrimpf III., Peter Schaffner II., Philipp Peter Metzger

 


 

Gesangverein „Germania“

 

Erstmals kann die Existenz eines Gesangvereins in Dornheim im Jahre 1844 nachgewiesen werden: Denn am 28. Juli 1844 war der „Sängerverein Dornheim“ zu einem Besuch im Nachbarort Griesheim.

 

Von diesem Ereignis stand im Groß-Gerauer Wochenblatt folgende Danksagung:

 

Ehre dem Ehre gebühret!

 

Indem wir im Namen sämtlicher Mitglieder des Dornheimer Sängervereins hiermit öffentlich erwähnen, dass der Griesheimer Sängerverein am 28. Juli d.J. die Dornheimer Sänger auf eine sehr freundliche, zuvorkommende, wahrhaft brüderliche Weise in seine Mitte aufgenommen und sie während der schönen Nachmittagsstunden gar angenehm unterhalten hat, fühlen wir uns verbunden, gleichzeitig unseren herzlichsten Dank dafür abzustatten.

 

Dornheim, den 29. Juli 1844

 


 

Erster Dirigent soll Lehrer Ritter gewesen sein, der von 1834 bis 1876 im Dornheimer Schuldienst tätig war. Diese Sitte, dass „der Schulmeister“ gleichzeitig den örtlichen Gesangverein leitete, war in jener Zeit sehr stark ausgeprägt.

 

Damals hatten allerdings die Dirigenten der Vereine sehr viel Mühe und Arbeit mit dem Abschreiben der Texte und Noten aus den Partiturbüchern.

 

Ein gewichtiger Meilenstein in der Geschichte des noch jungen Chores war die

Fahnenweihe im Jahre 1863. Man hatte sich zwischenzeitlich den Namen

Gesangverein „Germania“ gegeben. Diese Fahnenweihe wurde am 23. August 1863 als großes Volksfest geplant und auch durchgeführt. Der damaligen Zeit entsprechend wurden die Farben der deutschen Trikolore, Schwarz- Rot – Gold, für die Vereinsfahne gewählt; hier wird die historische Verbindung zum aufstrebenden Bürgertum deutlich.

 

Vereinslokal war das Gasthaus „Zur Krone“ dem Anwesen der damaligen Metzgerei Metzger in der Mainzer Landstraße, oder wie alte Dornheimer sagen „bei’s Trinkause“.

 


 

„Zur Krone“


1873 nahm der Verein „Germania“ an einem Sängerfest in Gernsheim teil, wobei im Massenchor das Lied „Nun preiset laut und rühmt und ehrt den goldenen Hort der Lieder“ gesungen wurde. Schon zu dieser Zeit zeichnet sich eine Aufgabe der Gesangvereine ab, nämlich andere Sängerfeste zu besuchen und sich bei solchen Treffen „im edlen Wettstreit“ mit anderen Vereinen zu messen.

 

Das 25jährige Fahnenjubiläum wurde am 19. August 1888 festlich begangen. Wieder war der gesamte Ort auf den Beinen. Es wurde im Massenchor gesungen, aber auch zahlreiche Brudervereine stellten ihr Einzelkönnen unter Beweis.

 

Im Kreisblatt vom 18. August 1888 stand zu lesen:

 

An dem übermorgen Sonntag in Dornheim stattfindenden 25-jährigen Fahnenjubiläum des dortigen Gesangvereins „Germania“ werden, soweit bis jetzt bestimmt, folgende Vereine teilnehmen: „Sängerbund“ von Bauschheim und Stockstadt, „Frohsinn“ von Königstädten und Stockstadt, „Eintracht“ von Nauheim, Geinsheim, Dornberg und Mörfelden, „Kriegsgesangverein“ von Erfelden, „Mozart“ von Trebur, „Männergesangverein“ von Leeheim, „Germania“ von Crumstadt, Erzhausen und Wolfskehlen, „Teutonia“ von Wallerstädten, „Liederkranz“ von Gernsheim, Büttelborn und Berkach, „Sängerchor“ von Goddelau.

 

Festbälle werden bei den Vereinswirten – „Brauerei Lerch“, Gasthaus „Zur Krone“ und „Grimm’s Gasthaus“ – durchgeführt.

 

Im gleichen Jahr stand Dornheim noch einmal im Mittelpunkt der Presseberichterstattung:

 

Denn im Oktober des Jahres 1888 wurde das neue Schulhaus, die heutige „Alte Schule“, feierlich eingeweiht. Es wurde erneut von einem großen Fest der Dornheimer berichtet.

 

Das goldene Fahnenjubiläum sollte dann im Jahre 1913 das letzte Fest der „Germania“ sein.

 

 

 50jähriges Jubiläum des Gesangvereins „Germania“ 1913


An dem Fest nahmen folgende Vereine aus den Nachbarorten teil:

 

„Liederkranz“ Büttelborn, „Germania“ Wolfskehlen, „Eintracht“ Wolfskehlen, „Teutonia“ Wallerstädten,, „Sängerbund“ Lampertheim, „Sängerlust Biebesheim, „Gemischter Chor“ Biebesheim, „Männergesangverein“ Leeheim, „Liedertafel“ Griesheim und „Frohsinn“ Königstädten sowie alle Ortsvereine.

 

Der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 brachte den Singstundenbetrieb völlig zum Erliegen.

 

Der älteste Dornheimer Gesangverein sang nach dem ersten Weltkrieg noch zwei Jahre lang als Kirchengesangverein unter der Leitung von Lehrer Gustav Michel.

 

Da es aber an Nachwuchs fehlte, - dieser hatte sich in anderen Gesangvereinen organisiert -, löste sich der Verein auf.

 

 

Gesangverein „Liederkranz“

 

Ende der 70er Jahre gründete sich im Dorf der zweite Gesangverein unter dem Namen „Liederkranz“. Als erster Präsident wird Ludwig Gölzenleuchter genannt. Ludwig Krug aus Goddelau war der erste Dirigent, und das Gasthaus „Zur Sonne“ diente als Vereinslokal. Dieses Lokal war in der Bahnhofstraße.

 

Die genauen Gründungsdaten des „Liederkranzes“, wie auch sein Ende, sind nicht bekannt.

 

Der Verein soll etwa 20 Jahre bestanden haben.

 

Im Jahre 1903 gründete sich in der „Brauerei Lerch“ erneut der Gesangverein „Liederkranz“.

 

Im Jahre 1914 feierte der Verein im vorderen Dahlerbruch – dem heutigen

Sportplatzgelände – an der Gernsheimer Landstraße seine Fahnenweihe, deren Grundfarbe himmelblau war, und sie trug folgenden Spruch:

 

„Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen!“

Die "Brauerei Lerch"

 


 

Gesangverein „Liederkranz“ die Gründungsmitglieder

 

Das Groß-Gerauer Kreisblatt berichtete:

 

Liederkranz Dornheim ladet alle Sangesfreunde und Gönner von nah und fern auf Samstag und Sonntag den 17. und 18. August zu der Silber – Jubelfeier herzlichst ein.

 

25 Jahre Gesangverein „Liederkranz“ Dornheim.

 

Ein Sängerfest, wie es schon lange in Dornheim nicht gefeiert wurde, hatte der

Gesangverein Liederkranz vorbereitet. Gut war der Gedanke, das Fest wieder auf dem alten, am Dorfe gelegenen Festplatz zu feiern. Eine Erinnerung zugleich an das zehnjährige Stiftungsfest des Vereins im Jahre 1914, wo der Liederkranz am letzten Sonntag vor Kriegsausbruch seine Fahne weihte.

 

Bereits am Samstag abend um 9 Uhr bewegte sich ein schöner Lampionzug durch die Ortsstraßen nach dem Festplatz, wo ein schöner Kommers das Fest einleitete. Nach dem Eröffnungsmarsch der Musikkapelle Dornheim begrüßte Vorsitzender Joh. Krumb die beteiligten Ortsvereine und Gäste. „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen“, so wie dieser Sängerspruch auf der Vereinsfahne die Sänger grüßt, schloss er seine Ansprache. Dieses Geleitwort war Motiv für die 18 Gründer des Gesangvereins„Liederkranz“. Im Namen der Gründer übergab Otto Plettrichs dem Verein das eingerahmte Bild der Gründer als Dank und Ehrengabe. Mit Orchesterbegleitung sang alsdann der festgebende Verein den Strauß’schen Walzer „An der schönen blauen Donau.“

 

Sehr beifällig wurde dieser Musik- und Gesangsbeitrag aufgenommen. Noch manches schöne Lied erscholl. „Eine Wiese voll weißer Marqueriten“ u. Es steht ein Lind…“ waren gute Leistungen, die ein ehrendes Verdienst des rührigen Dirigenten Lehrer Stumpf bleiben. Nicht unerwähnt sei der schön gesprochene Prolog von Frl. Anna Löffler.

 

Der Gesangverein „Frohsinn“ und „Freie Turn- und Sängervereinigung“ verschönten den Kommers durch verschiedene Chöre. Die Turnmädchen des Turnvereins 1886 führten den Reigen nach der Melodie „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“ auf.

 

Ein gemütlicher Tanz beschloss die Vorfeier.

 

An den Weckruf am Sonntag morgen schlossen sich Kranzniederlegungen für die

gefallenen und gestorbenen Sänger an. Neun Sänger des Vereins erlitten den Heldentod fürs Vaterland. Bei dem gemeinsamen Kirchgang leitete die kirchliche Feier Beethovens „Die Himmel rühmen“ mit Musik den Gottesdienst ein.

 


 

Am Nachmittag trafen aus Wolfskehlen, Wallerstädten, Erfelden, Groß-Gerau, Worfelden, Geinsheim, Goddelau, Crumstadt, Büttelborn und Berkach die Brudervereine ein.

 

Nach Aufstellung des Festzuges in der Bahnhofstraße, dem sich auch die Ortsvereine anschlossen, bewegte sich der Festzug mit Musik und Gesang auswärtiger Sänger nach dem Festplatz. Am Denkmal bei der Kirche hielt der Festzug an, wo unter Glockengeläute die Musik das „Lied vom guten Kameraden“ spielte.

 

Zum ersten Mal hat ein festgebender Verein unseres Dorfes solch, alle Beteiligten tiefrührende Gefallenenehrung, zur Tat werden lassen. Herzlich begrüßte Vorsitzender Krumb auf dem Festplatz. Mit Mitgliedern anderer Brudervereine sang der festgebende Verein noch einmal „Die Himmel rühmen“. Bürgermeister Metzger rief den Freunden des Gesanges ein „Willkommen!“ zu und wünschte, dass alle frohe Erinnerungen an Dornheim mit nach Hause nehmen.

 

Die Gratulation der Festdamen verband Fräulein Marie Weigandt mit einem sinnigen Prolog und heftete eine gestiftete Schleife ihrer Freundinnen an die Sängerfahne. Die Ansprache des Gauvorsitzenden Alles aus Groß-Gerau galt dem deutschen Volkslied.

 

„Wo gen Himmel Eichen ragen“ war Massenchorgesang der Brudervereine der Riedsänger (Dirigent Lehrer Stumpf). Den größten Teil des Festprogramms füllten die Gastvereine mit schönen Liedern aus.

 

Konzert und Tanz beschlossen die Festtagsfeier. Abends fanden Bälle in der „Krone“ und „Brauerei Lerch“ statt. Ein Karussell an der Kirche war das Vergnügen der Jugend.

 


 

H. Feldmann

 


 

Gesangverein „Liederkranz“ im Festjahr 1929 Die Namen der Reihe nach sitzend, von links:  Ludwig Lerch, Ludwig Metzger Bgm., Philipp Melchior, Heinrich Luckhardt, Dirigent Lehrer Stumpf, Philipp Landau, Mara Wiegand, Johannes Krump, Heinrich Krump, Karl Metzger,  Heinrich Schmidt, Kaffenberger, Katharina Dechert, Margarethe Dechert, Philipp Leusler,  Else Pettmann, Elisabeth Schaffner, Anna Löffler, Gertrude Luckhardt, Elisabeth Krumb,  Maria Kaiser, Margarethe Reiser, Margarethe Krumb, Margarethe Roth, Maria Schmenger,  Anna Kleinböhl, Anna Krumb, Margarethe Drach, Heinrich Vollhardt, Johannes Lohr,  Philipp Kirchhöfer, Philipp Antes, Ernst Spalt, Jakob Baldewein, Heinrich Rink,  Georg Schulz, Karl Rink, Jakob Maus, Philipp Baldewein, Ludwig Schmidt, Karl Luckhardt,  Georg Baldewein, Jakob Melchior, Philipp Schadt, Peter Görlich, Georg Baldewein,  Philipp Metzger, Jakob Gölzenleuchter, Heinrich Krumb, Jakob Graulich, Philipp Hornung,  Ludwig Schrimpf, Peter Schaffner, Ludwig Wilhelm, Philipp Krumb, Philipp Metzger,  Jakob Veith, Peter Görlich, Ludwig Schaffner, Karl Metzger, Peter Krumb,  Ludwig Luckhardt, Moritz Bendorf, Philipp Trinkaus, Ludwig Schrimpf, Karl Krumb,  Nikolaus Schmitt, Ludwig Lerch, Heinrich Luckhardt, Ludwig Schrimpf, Philipp Leusler,  Philipp Landau, Philipp Wilhelm, Jakob Ph Kirchhöfer, Ludwig Metzger, Otto Plettrichs.

 

Gesangverein „Frohsinn“ am Vereinslokal „Zum Anker“

 

Gesangverein „Frohsinn“

 

Im Jahre 1898 gründete sich im Gasthaus „Zum Schwanen“ der Gesangverein

„Frohsinn“. Das Gasthaus stand in der Gernsheimer Landstraße, dem späteren

 Wohnhaus der Familie von Dr. Franz Skala.

 


 

„Zum Schwanen“

 

Dieser Verein feierte im Jahre 1906 auf der Wiese – „Die Hinterste Weide“ hinter dem Vereinslokal und der Schreinerei Gölzenleuchter, alten Dornheimern auch unter dem Namen „beim Schreuner Schorsch“ geläufig, seine Fahnenweihe. Sie hatte die Farbe blau-weiß und trug folgenden Spruch:

 

„Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede“

 

Ab 1903 hatte der Verein sein Übungslokal im Gasthaus „Zum Anker“ ebenfalls in der Gernsheimer Landstraße, dem heutigen Anwesen der Familie Ludwig Hornung, alten Dornheimern noch geläufig unter dem Namen: „bei’s Lerchperers“, oder auch „bei’s Bamoaschters“.

 

 

Das Gasthaus „Zum Anker“


 

Gesangverein „Sängergruß“

 

In der Gastwirtschaft „Zum Darmstädter Hof“ – im heutigen Anwesen der ehemaligen Bäckerei Petermann in der Gernsheimer Landstraße – gründete sich im Jahre 1908 der Gemischte Chor „Sängergruß“. Überliefert ist, dass der Chor aus dem „Choralbum von Tonger“ bis zum Jahre 1914 sang.

 

Wann genau und warum sich der Verein auflöste, ist nicht bekannt. Sicherlich dürften die Ursachen dem ersten Weltkrieg zuzuschreiben sein.

 

„Zum Darmstädter Hof“

 

Gesangverein „Vorwärts – „Freie Turn- und Sängervereinigung“

 

1919 gründeten Dornheimer Bürger, die sich zur Arbeiterschaft (Arbeiterklasse) zählten, den Gesangverein „Vorwärts“. Gründungslokal war die Gastwirtschaft „Zum Weißen Roß“, dem späteren Anwesen von Frau Irmgard Vollhardt in der Georgstraße. Dornheimer pflegten zu sagen: „bei’s Gailsmetzjers“.

 

„Zum weißen Roß“

 

„Zum goldenen Stern“

 

Späteres Übungslokal war die Gastwirtschaft „Zum goldenen Stern“, dem späteren Wohnhaus der Familie Philipp Schneiker. Alten Dornheimern unter dem Namen „bei de Schreuner Käth“ geläufig, in der Bahnhofstraße. Da sich dem Verein auch Turner angeschlossen hatten, gab sich der Verein dann den Namen „Freie Turn- und Sängervereinigung“.

 

Bannerweihe war an Pfingsten 1929 auf dem „Schwarzen Berg“, und es trägt die Inschrift:

 

„Durch Kampf zum Sieg“.

 

Dieses Banner und die Gründungsfahne der „Germania“ sind die einzigen Fahnenrelikte, die in die heutige Zeit gerettet wurden.

 


 

Gesangsabteilungen

 

Um die Jahrhundertwende bis zum Beginn des ersten Weltkrieges wurde noch in Gesangsabteilungen verschiedener Dornheimer Vereine gesungen, so auch im damaligen Soldatenverein. Im Turnverein 1886, ein Teil der heutigen Sportgemeinde Dornheim, bestand ebenfalls eine Gesangsabteilung, die im Gasthaus „Zur Krone“ sang. Der Arbeiter-Wahlverein probte im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ in der Bahnhofstraße, dem späteren Wohnhaus der Familie Wilhelm Dechert.

 

„Zur Eisenbahn“

 

 

Gesangverein „Einigkeit“

 

 

Nach der Machtergreifung durch Hitler im Jahre 1933 kamen große strukturelle

Veränderungen auf die Vereine zu. Das nationalsozialistische Regime schaltete alle Vereine nach Sparten zusammen und gliederte sie der Reichskulturkammer an.

 

Diesen politischen Schachzug deuteten die drei noch bestehenden Gesangvereine „Liederkranz“, „Frohsinn“ und „Freie Turn- und Sängervereinigung“ richtigerweise als dasEnde ihrer Vereinseigenständigkeit. Sie schlossen sich daher im Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ am 22. April 1933 freiwillig zum Gesangverein „Einigkeit“ zusammen. Aus dem Gründungsprotokoll ist zu entnehmen, dass Johannes Krumb, Dornheimern als „de Krumbeschmidts Jean“ in Erinnerung, aus der Rheinstraße zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Vereinslokal war die „Brauerei Lerch“.

 


 

Zunächst wurde, wie in Vereinen üblich, in der Jahreshauptversammlung der Vorstand nach demokratischen Prinzipien frei gewählt. Aber ab dem Jahre 1935 musste man sich auch hier den staatlichen Zwängen beugen, denn nun wurde jährlich ein „Vereinsführer“ vom Ortsgruppenleiter bestimmt.

 

Doch selbst dies hinderte die Mitglieder nicht daran, eine demokratische

Jahreshauptversammlung durchzuführen. Die Versammlungen wurden fortan vom Ehrenvorsitzenden geleitet. Eine unter diesem Vorsitz geleitete Mitgliederversammlung konnten selbst die Nazis nicht verbieten. Ehrenvorsitzender, so geht es aus dem Protokollbuch, das dem Verein durch die Familie Lerch erhalten blieb, hervor, war Johannes Schäfer – alten Dornheimern als „de Schäfersattler“ – aus der Mainzer Landstraße bekannt.

 

Trotz der staatlichen Zwänge bemühte sich die Vereinsführung weiterhin, demokratische Gepflogenheiten im Verein zu wahren und zu pflegen.

 

Weiter ist dem Protokollbuch zu entnehmen, dass der Verein bis zum Kriegsausbruch an Sängerfesten teilnahm und zahlreiche Konzerte veranstaltete.

 

Die durchgeführten Tagesausflüge wurden schon damals von dem Lehrer Gustav Michel bestens vorbereitet und verschafften den „Ausflüglern“ immer sehr viel Kurzweil.

 

Der zweite Weltkrieg brachte alle Vereinstätigkeiten völlig zum Erliegen.

 

 

Gesangverein „Einigkeit“ auf Fahrt          Gesangverein „Einigkeit“ auf Fahrt

 

 

„Grimm’s Gasthaus"

 

Rheinstraße mit Gasthaus Lerch, 1954

 

Wiederaufbau und Neubeginn

 

Die schweren Zeiten der Not, hervorgerufen durch den verheerenden zweiten Weltkrieg, und das schimmernde Morgenrot einer sich abzeichnenden demokratischen Neuordnung in Deutschland führten dazu, dass sich die Reste der alten Sänger aus den drei zusammengeschlossenen Vereinen, immerhin noch 16 an der Zahl, unter dem Namen „Sängervereinigung“ wieder aufrafften, um gemeinsam zu singen.

 

Die ersten Proben wurden von dem Musiker Johann Heinrich Feldmann II.,

Heimatforscher und Dornheimer Ehrenbürger, „Dornemer“ nannten ihn nur

 „de Tambours Heuner“, abgehalten.

 

Am 9. November 1946 übernahm der Singlehrer Adolf Martin aus Frankfurt die musikalische Leitung des Vereins. Es wurde das Lied, so berichtet uns der damalige „Sängerteenager“Helmut Dechert – besser bekannt unter dem Namen „de Gottsches Helmut“ -, „So grün als die Heide, so grün möchte ich mich kleiden“ erlernt.

 

Schon bald gründete sich neben dem Männerchor auch ein Frauenchor. Beide Klangkörper bildeten bald einen 60 Sängerinnen und Sänger stark zählenden Gemischten Chor. Bei einem Liedertag im Jahre 1949 in Gernsheim konnte dieser Chor einen beachtlichen Erfolg erringen.

 

Wohl aus Gründen der Mitwirkung von Frauen im Verein hatte sich die „Sängervereinigung“ nun in „Chorgemeinschaft 1844 Dornheim“ umbenannt.

 

In diesem neuen Namen sind alle Elemente der Sing- und Gesangvereinstätigkeiten Dornheims enthalten, wie

 

der freiwillige Zusammenschluss der drei Chöre

„Liederkranz“ – „Frohsinn“ – und

„Freie Turn- und Sängervereinigung“

im Jahre 1933 zum Gesangverein „Einigkeit“, und

die Jahreszahl „1844“ und die Zufügung „Dornheim“ in den

Vereinsnamen als Erinnerung an den Gründungsverein

 „Germania“, das als Stärkung und Festschreibung der Tradition des Singens in

 unserem Heimatdorf gesehen werden soll, sowie das gemeinsame Singen von Frauen und Männern.

 

Erstaunlich ist, dass sich der Frauenchor nicht lange halten konnte. Der Verein hätte schon damals die einmalige Chance gehabt, die so alte wie moderne Form des gemischtchörigen Singens zu pflegen und zu erweitern.

 


Aber vielleicht gaben vereinsinterne Querelen – politische Richtungsk(r)ämpfe – und das noch vorhandene, wiedererstarkende, traditionsbewusste Denken von Männern, wie es in ländlich geprägten Gemeinden oft zu finden ist, den Ausschlag.

 

Ein Ausflug in den 50er Jahren     „Der Organisator“ Lehrer Gustav Michel

 

Nach kurzen Chorleitertätigeiten von Rolf Meybom aus Darmstadt und Karl Schmitt aus Bischofsheim übernahm 1953 Günter Merker aus Griesheim die musikalische Leitung des Vereins. Mit einem beachtlichen 60 Mann starken Klangkörper konnte Günter Merker bei einem Sängerfest im Nachbarort Wolfskehlen einen vielbeachteten zweiten Preis sowie den

 Dirigentenpreis erringen. Erst im Jahre 1966 schied Herr Merker nach erfolgreicher Arbeit aus den Diensten der Chorgemeinschaft aus.

 

Vereinslokal ist seit der Wiedergründung der Chorgemeinschaft 1844 nach dem Krieg das Gasthaus „Zum Alten Brauhaus Lerch“. Mit dem Namen Lerch und dem Gasthaus verbinden sich nunmehr schon jahrhundertalte Traditionen. War und ist dieses ehrwürdige Lokal doch stets eine Stätte des Singens und der Kommunikation.

 

Eine berechtigte Frage sei hier erlaubt:

 

„Was könnten diese Mauern wohl alles erzählen?“

 

Faschingsbälle, die sich dann ab dem Jahre 1956 und mehr zu „Kappensitzungen“, den heutigen Prunksitzungen, wandeln sollten, sowie Theaterabende – mehr zu beiden Themen in gesonderten Berichten – gehörten neben den intensiven Chorproben in den Nachkriegsjahren zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des Vereins.

 

Diese Veranstaltungen zählten zu den „Highlights“ des Dornheimer Kulturlebens.

 

Das 110jährige Vereinsjubiläum

 

Im Jahre 1954 wurde das 110jährige Vereinsbestehen der Chorgemeinschaft 1844 groß gefeiert. Schirmherr war Landrat Wilhelm Seipp.

 

Dem Chor gehörten damals ca. 60 aktive Sänger an. Vorsitzender war unser Ehrenmitglied Walter Hackenschmidt. Das Fest fand vom 10. bis 12. Juli im großen Festzelt auf dem heutigen Festplatz statt.

 

Die Jubiläumsfeiern waren besonders von dem Prädikat-Wertungssingen mit 16 Vereinen, dem großen Festumzug mit 49 Zugnummern und schließlich vom Freundschaftssingen mit 14 Kreisvereinen geprägt.

 


 

Der aktive Chor 1954

 

 

Festdamen 1954

 

 

Zelter-Plakette und

 

Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten

 


 

Geschichtliches zur „Zelter-Plakette“

 

Am 11. Dezember 1758 wurde Carl Friedrich Zelter in Petzow-Werder bei Berlin geboren.

 

Der Preuße verstand es, Maurerkelle und Taktstock gleich gut zu schwingen. Er begann 1774 eine Maurerlehre und trat neun Jahre später als Teilhaber in das väterliche Baugeschäft ein.

 

Gleichzeitig ließ er sich von K.F. Fasch musikalisch ausbilden und trat in den Singverein seines Lehrers, die spätere Berliner Singakademie, ein.

 

Er vertrat Fasch immer häufiger am Dirigentenpult und wurde im Jahre 1800 sein Nachfolger.

 

Neben dieser Tätigkeit entfaltete Zelter mehrere Aktivitäten. So gründete er eine Orchesterschule, und im Jahre 1807 gründete er den Männergesangverein „Berliner Liedertafel“. Dieser Verein diente als Modell für spätere Gründungen dieser Art.

 

1822 gründete er das Königliche Institut für Kirchenmusik, das sich später zur Akademie für Kirchen- und Schulmusik fortentwickelte.

 

Mit dem Zeitgenossen Johann Wolfgang von Goethe, den er in musikalischen Fragen beriet und dessen Gedichte er zum Teil vertonte, verband ihn eine tiefe Freundschaft. Für von Goethe eine echte Rarität, bot er Zelter doch das Du an, was durch einen regen Briefwechsel belegt ist.

 

Nicht nur von Goethe schätzte seine Lieder, Balladen, Kantaten und Chöre, von denen auch heute noch einige aufgeführt werden. Zelter hat sich auch um die Wiederentdeckung der zu jener Zeit fast vergessenen Werke von Johann Sebastian Bach verdient gemacht.

 

Nur wenige Wochen nach dem Tod seines Freundes von Goethe verstarb Carl Friedrich Zelter am 13. Mai 1832.

 

In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts wurden als staatliche Anerkennung für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Chorgesanges von Minister Boelitz Gedenkblätter verliehen.

 

Diese wurden durch die „Zelter-Plakette“, bis zum Jahre 1940, abgelöst.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg ergriff der Deutsche Sängerbund die Initiative zur

Wiedereinführung dieser staatlichen Auszeichnung für Laienchöre. Am 7. August 1956 unterschrieb der damalige Bundespräsident Professor Theodor Heuss den Erlass zur Wiedereinführung der „Zelter-Plakette“.

 


 

„Zelter Plakette“

 


 

Durch die Vorlage von zwei in Familienbesitz befindlichen Liederbüchern konnte der Nachweis erbracht werden, dass seit dem Jahre 1844 ein „Sängerverein“ in Dornheim bestand.

 

Die Chorgemeinschaft 1844 erhielt am 17. Juli 1957 die „Zelter – Plakette“. Dies ist die höchste Auszeichnung, die Laienchören in Deutschland zugesprochen werden kann.

 

Am 24. August 1959 verlieh der damalige Hessische Ministerpräsident Dr. Georg August Zinn dem Verein „die Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten“ für besondere Verdienste um den Chorgesang.

 


 

Fahnenjubiläum 1963

 

Im Jahre 1963 stand für die Chorgemeinschaft 1844 Dornheim wieder ein besonderes Fest an.

 

Zum 100jährigen Fahnenjubiläum wurde eine neue Vereinsfahne geweiht.

 

Schirmherr des Festes war der damalige Bürgermeister von Dornheim, Johann Christoph Krumb.

 

Der alten Fahne wurde folgender Vers gewidmet:

 

Nun geh zur Ruh, Du alte Fahne,

 

Und weh nur, wenn die Pflicht Dich ruft.

 

Es weihten Dich einst unsere Ahnen

 

sangen Dir in Freud und Leid bewusst.

 

Der Zahn der Zeit hat Dich berührt,

 

Manch Sängerherz war tief gerührt.

 

Und dennoch bliebst Du uns erhalten,

 

Trotz Deiner Narben, Deiner Falten.

 

Den Sängerweg an Deiner Seite,

 

die neue Fahne nun begleite.

 

Wie eine Mutter, die ihr Kind

 

Getreu an ihre Seite nimmt.

 


 

Heinrich Feldmann II.

 


 

Das Glückwunschtelegramm von den Sängerfreunden aus der thüringischen Stadt Apolda bezeichnete der Erste Vorsitzende der Chorgemeinschaft 1844 Dornheim, Philipp Balzer, als das schönste Geschenk, das seinem Verein aus Anlass des „100jährigen Fahnenjubiläums“ gemacht worden sei.

 

Der Gruß von den Vereinigten Männerchören Apolda, aus dem zweiten Deutschen Staat, der durch die Zwangsaufteilung nach dem zweiten Weltkrieg gebildet wurde, die Deutsche Demokratische Republik, zeige deutlich, wie sehr sich Sänger über alle willkürlichen Grenzen hinweg in der Liebe zum deutschen Lied verbunden fühlen.

 

Die Bekanntgabe dieser Grußadresse war neben der Weihe der neuen Fahne durch den Vorsitzenden des Sängerkreises Groß-Gerau, Karl Bingel, und der Ehrung langjähriger Mitglieder das ergreifendste Ereignis des Kommersabends im überfüllten Festzelt.

 


 

Neue Fahne zum 100jährigen Fahnenjubiläum.

 



 

Weitere Höhepunkte des Dornheimer Sängerfestes waren das Prädikat- und Wertungssingen, das Freundschaftssingen – es hatten sich weit über tausend Sängerinnen und Sänger eingefunden – und der prächtige Festzug durch die geschmückten Ortsstraßen.

 

Die Zeitungen berichteten damals von einem gelungenen großen Fest:

 

„Sängergrüße aus Mitteldeutschland

 

Chorgemeinschaft 1844 Dornheim feierte Fahnenweihe“.

 

Übers Wochenende steht die kleine, sonst so stille Riedgemeinde Dornheim im Zeichen des 100jährigen Fahnenjubiläums der Chorgemeinschaft 1844, die nach den Worten von Landrat Seipp in den langen Jahren ihres Bestandes alle Höhen und Tiefen des gesellschaftlichen und politischen Lebens miterlebt und jahrzehntelang das kulturelle Leben der Gemeinde befruchtete, was allgemein anzuerkennen ist.

 

Um so mehr, als im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie leider allzu oft die rechte Einstellung zum deutschen Lied und seine Pflege fehlt.

 


 

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